Jeder 3D-Druck-Fan hasst ihn: den stetig wachsenden Haufen aus Plastikmüll, den der 3D-Drucker beim Farbwechsel ausspuckt. Ein Startup aus dem Umfeld des Saugroboter-Giganten Dreame will diesen ‚Filament-Poop‘ nun endgültig Geschichte werden lassen – mit einer Technik, an der selbst Anker gescheitert ist.
Revolver statt Spülung: So funktioniert das Düsenwechsel-System
Wer schon einmal ein buntes Modell mit einem 3D-Drucker gefertigt hat, kennt das Problem: Bei jedem Farbwechsel muss die Druckdüse gespült werden, um Reste des vorherigen Materials zu entfernen. Das Ergebnis ist ein wachsender Berg aus verschwendetem Filament – in der Community liebevoll als „Poop“ bezeichnet. Bei komplexen Mehrfarbdrucken kann der Abfall sogar schwerer sein als das eigentliche Druckobjekt. Der AtomForm Palette 300 setzt hier an und verfolgt einen grundlegend anderen Ansatz als etablierte Systeme.
Das Herzstück des Druckers ist ein Revolver-Mechanismus – ähnlich wie bei einer Waffe –, der bis zu zwölf separate Druckdüsen aufnimmt. Bei einem Farbwechsel rotiert das System automatisch zur nächsten Düse – ein physischer Werkzeugwechsel statt herkömmlicher Spülung. Laut Hersteller reduziert dieses Prinzip den Materialabfall um bis zu 90 Prozent und beschleunigt den Wechselvorgang um die Hälfte. In Kombination mit dem optionalen RFD-6-System, das sechs Filamentspulen aufnimmt und diese während des Drucks aktiv trocknet, sind theoretisch bis zu 36 verschiedene Farben oder Materialien in einem einzigen Druckvorgang möglich.

Schneller als die Konkurrenz? Die Technik im Detail
Die technischen Eckdaten können sich sehen lassen. Der Bauraum misst 300 × 300 × 300 Millimeter – ausreichend für größere Projekte wie Helme oder dekorative Objekte. Die maximale Druckgeschwindigkeit gibt AtomForm mit 800 Millimetern pro Sekunde an, was im oberen Bereich aktueller Heimdrucker liegt. Vier Kameras und 50 Sensoren überwachen den Druckprozess kontinuierlich. Das geschlossene Gehäuse ermöglicht auch das Drucken anspruchsvollerer Materialien wie ABS oder ASA, die eine kontrollierte Umgebungstemperatur benötigen.
Das Anker-Trauma: Warum die Technik so tückisch ist
Das Konzept klingt genial, ist aber riskant: Schon Zubehör-Riese Anker biss sich an dieser Technik die Zähne aus. Kann das kleine Startup schaffen, woran der Großkonzern scheiterte? Der Hersteller hatte mit seiner V6 Color Engine ein ähnliches Düsenkarussell angekündigt, das Projekt jedoch eingestellt. AtomForm, gegründet von ehemaligen Mitarbeitern der Dreame-Tochter Mova, will nun zeigen, dass das Konzept funktionieren kann. Die Skepsis in der Community ist entsprechend groß, denn zwischen Ankündigung und zuverlässigem Serienprodukt liegt oft ein weiter Weg.
Alternativen: Diese Mehrfarbdrucker gibt es bereits
Wer bereits einen zuverlässigen Mehrfarbdrucker sucht, findet am Markt bewährte Alternativen. Der Bambu Lab A1 überzeugte im Test mit seinem durchdachten Ökosystem und der AMS Lite für rund 459 Euro im Combo-Paket. Der Anycubic Kobra 3 punktet im Test als günstiger Einstieg ab etwa 350 Euro mit AMS. Im Premium-Segment hat Prusa den Core One vorgestellt, der ab 1.199 Euro mit geschlossenem Bauraum und professionellen Features aufwartet. Für 2026 plant Prusa zudem das INDX-System, das ebenfalls auf wechselbare Werkzeugköpfe setzt. Auch der Snapmaker U1 will mit vier Druckköpfen den Abfall um 80 Prozent reduzieren.
Preis und Verfügbarkeit: Kickstarter-Start steht bevor
Der AtomForm Palette 300 startet demnächst auf Kickstarter. Der Drucker allein soll im Early-Bird-Angebot umgerechnet etwa 1.380 Euro kosten, das Combo-Paket mit RFD-6-Filamenteinheit liegt bei rund 1.560 Euro. Für die volle Nutzung aller zwölf Düsen wären allerdings zwei RFD-6-Einheiten nötig. Ein konkreter Liefertermin steht noch nicht fest. Wie bei allen Crowdfunding-Projekten gilt: Kickstarter ist keine Bestellung mit Liefergarantie, sondern eine Unterstützung mit entsprechendem Risiko. Wer auf Nummer sicher gehen will, wartet auf erste unabhängige Tests nach dem Marktstart.














