Das Deutschlandticket wird erneut teurer und steigt 2027 auf einen Preis von 66,80 Euro im Monat oder 801,60 Euro im Jahr. Das gute alte 9-Euro-Ticket liegt schon etwa 4 Jahre zurück und wurde unter anderem aufgrund der damals hohen Spritpreise eingeführt. Als Pendler reibt man sich jetzt wahrscheinlich rührselig die Augen, denn zu dieser Zeit war ein Liter Kraftstoff tatsächlich noch um 1,85 Euro erhältlich.
Grund genug, sich unabhängig anderer Vorteile anzuschauen, ob es nicht billiger wäre mit dem E-Bike statt der Bahn zu pendeln, denn beides ist günstiger als das Auto. Unser Rechenbeispiel zeigt, wann sich der Umstieg rechnet und warum ausgerechnet längere Pendelstrecken den Kostenvorteil schmälern.
Annahmen der Rechnung
Unser Rechenmodell ist bewusst klar definiert: ein neu gekauftes E-Bike mit ganzjährigen Fahrten zur Arbeit. Das Deutschlandticket ist gegen Ausreden bei schlechtem Wetter gekündigt. Für den Zeitraum über fünf Jahre rechnen wir mit dem Deutschlandticket-Preis von 2027: 801,60 Euro pro Jahr. Künftige Erhöhungen lassen wir außen vor.
Dabei vergleichen wir drei Preisklassen: ein günstiges E-Bike für 1.500 Euro, ein Mittelklassemodell für 3.000 Euro und ein hochwertiges Modell für 5.000 Euro. Der Durchschnittspreis eines E-Bikes lag 2025 laut Zweirad-Industrie-Verband bei 2.550 Euro.
Für den Arbeitsweg rechnen wir mit 5, 10 und 20 Kilometern einfacher Strecke. Nach einem Homeoffice-Tag pro Woche bleiben von rund 220 Arbeitstagen etwa 180 Pendeltage. Daraus ergeben sich 1.800, 3.600 oder 7.200 Kilometer Pendelstrecke pro Jahr.
Besser Bahn fahren? Modell kippt bei längeren Strecken
Die Bahn ist auch im Winter trocken und warm, der Ticketpreis ist im Verhältnis immer noch erschwinglich. Hier kristallisieren sich schnell die Stärken der Deutschen Bahn heraus, auch wenn es hin und wieder länger dauert. Denn das Ticket kostet unabhängig von der Entfernung gleich viel, während beim E-Bike Verschleiß und Strom mit jedem Kilometer steigen. Nimmt man das Mittelklasse-E-Bike für 3.000 Euro wird das Deutschlandticket ab einer Pendelstrecke von rund 15 Kilometern einfacher Strecke günstiger.
Etwas günstiger als die Bahn ist das 3.000-Euro-Modell mit jährlichen Kosten von rund 680 Euro bei 5 Kilometer. Bei 10 Kilometer liegt es mit rund 740 Euro in etwa gleichauf. Für eine einfache Pendelstrecke von 20 Kilometern entstehen Kosten von rund 860 Euro.
Eine wesentliche Ersparnis ergibt sich nur beim 1.500-Euro-Rad: Es bleibt mit rund 460 bis 640 Euro in allen drei Szenarien unter dem Ticketpreis. Das 5.000-Euro-Modell ist mit rund 1.000 bis 1.180 Euro deutlich teurer. Brauchbare E-Bikes gibts je nach Anspruch jedoch auch schon weit unter 1.500 Euro.

Wertverlust und Verschleiß macht das E-Bike teuer
Restwert, Haltedauer, Jobticket oder ein bereits vorhandenes E-Bike kann das Ergebnis jedoch weiter verändern. Der größte Einzelposten in unserer Modellrechnung ist der Wertverlust. Verkaufst du dein E-Bike nach fünf Jahren, bekommst du nur einen Teil des Kaufpreises zurück. Wie viel, hängt von Marke, Modell, Pflege, Laufleistung und Akkuzustand ab.
Da es keinen allgemeingültigen Wert gibt, haben wir 30 Prozent des Neupreises angesetzt und verwenden diesen Wert für alle drei Strecken. In der Realität können 36.000 statt 9.000 Kilometer den Wiederverkaufswert aber zusätzlich drücken oder ganz vernichten. Mehr als 20.000 Kilometer ist für ein E-Bike schon ungewöhnlich hoch, sehr günstige Modelle werden solche Laufleistungen zudem kaum erreichen. Besonders lange Strecken werden dadurch teurer.
Beispielsweise kippt beim 3.000-Euro-E-Bike schon das 10-Kilometer-Szenario, wenn der Restwert nach fünf Jahren nur 15 statt 30 Prozent beträgt. Die jährlichen Kosten steigen so um rund 90 Euro und liegen damit über dem Deutschlandticket. Ins Gewicht fallen auch Kosten für Wartung, Versicherung und Zubehör. Mit jedem Kilometer steigt zudem der Verschleiß. Für Kette, Ritzel, Bremsbeläge, Reifen und Montage haben wir einen Wert von rund 3 Cent pro Kilometer eingerechnet.
Vernachlässigbar ist dagegen der Stromverbrauch. Bei durchschnittlich 37 Cent pro Kilowattstunde laut aktuellen Daten vom Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) und rund einer Kilowattstunde Verbrauch je 100 Kilometer einschließlich Ladeverlusten kosten 3.600 Kilometer im Jahr nur etwa 13 Euro.
Laufleistung ist ein echtes Problem
Gerade bei hoher Laufleistung kann ein teurer Akkutausch nötig werden. Im 20-Kilometer-Szenario kommen in fünf Jahren rund 36.000 Kilometer zusammen. Einen Akkutausch haben wir dabei zwar nicht eingerechnet, ist aber je nach Zeitpunkt vermutlich unumgänglich.
Die Haltedauer beeinflusst zwar die Kosten, ist aber ab einem gewissen Zeitpunkt wirtschaftlich nicht mehr relevant. Fährst du das Mittelklassemodell acht statt fünf Jahre und verkaufst es dann für 15 Prozent des Neupreises, sinkt der jährliche Wertverlust von 420 auf rund 320 Euro. E-Bikes mit 15.000 km auf dem Tacho sind aber leider nur noch schwer verkäuflich. Die Gefahr für größere Reparaturen steigt zudem bei hoher Laufleistung.
Jobticket lässt die Bahn glänzen
Ein potenzieller Arbeitgeberzuschuss hat einen weiteren Einfluss auf den Vergleich. Bietet der Arbeitgeber das Deutschlandticket als Jobticket an und zahlt mindestens 25 Prozent des regulären Ticketpreises, gibt es zusätzlich 5 Prozent Rabatt. 2027 kostet das Jobticket dadurch nur 63,46 Euro. Bei einem Arbeitgeberanteil von mindestens 16,70 Euro zahlst du höchstens 46,76 Euro im Monat oder rund 561 Euro im Jahr. Damit ist in unserem Modell nur noch das 1.500-Euro-Rad auf kurzen und mittleren Strecken günstiger.
Split-Modell: Bahn im Winter, E-Bike im Sommer
Auch das Beste aus beiden Pendel-Welten ist möglich: Wer im Winter lieber Bus und Bahn fährt, kann beide Verkehrsmittel kombinieren. Wir rechnen dafür mit acht Monaten E-Bike und vier Monaten Deutschlandticket. Das entspricht bei einem Homeoffice-Tag pro Woche rund 120 Pendeltagen oder 2.400 Kilometern im Jahr bei 10 Kilometern einfacher Strecke. Das Deutschlandticket ist monatlich kündbar. Mit vier Ticketmonaten für 267,20 Euro und dem Mittelklasse-E-Bike entstehen Kosten von rund 970 Euro im Jahr, also mehr als für das Ticket allein. Das günstige E-Bike kommt auf rund 750 Euro.
Eigenes E-Bike und Dienstradleasing
Noch einmal anders sieht die Rechnung aus, wenn du bereits ein E-Bike besitzt. Dann zählen vor allem die laufenden Kosten durch Verschleiß, Strom und Wartung sowie mögliche Auswirkungen auf Restwert und Akku. Bei 10 Kilometern entstehen in unserem Modell zusammen etwa 220 Euro Kosten pro Jahr.
Auch Dienstrad-Leasing kann die Rechnung verschieben. Wie viel du gegenüber dem Direktkauf sparst, hängt jedoch von Gehalt, Steuerklasse und Vertrag ab. Größere Posten wie Inspektion und Versicherung können je nach Angebot aber bereits enthalten sein.
Wo lohnt sich das E-Bike und wer fährt besser mit der Bahn?
Eine Pauschale Rechnung ist aufgrund der genannten Faktoren also nicht ganz so einfach. Neben den Kosten spielen zudem praktische Faktoren eine Rolle: Gibt es einen sicheren Abstellplatz, wie lange dauert der Arbeitsweg, und musst du Rad und Bahn kombinieren? Die Fahrradmitnahme ist mit dem Deutschlandticket nämlich nicht automatisch abgedeckt.
Das Pendeln mit dem E-Bike rechnet sich gegenüber dem Deutschlandticket vor allem für diejenigen, die ein günstiges Rad mehrere Jahre fahren, das Ticket dafür kündigen können und die Arbeitsstelle mehr oder weniger ums Eck ist. Mit steigender Strecke schrumpft der Vorteil. Auch bei teureren Rädern ist das Ticket schnell günstiger. Ein Jobticket-Zuschuss oder private Ticketnutzung verschieben die Rechnung weiter ziemlich deutlich zugunsten des ÖPNV. Beim Dienstrad-Leasing hängt der Vergleich vom konkreten Angebot ab.
Abseits der Kosten bringt das E-Bike Bewegung in den Arbeitsweg. Der ÖPNV kann bei Regen, im Winter oder auf langen Strecken bequemer sein. Wer beides nutzt, gewinnt Flexibilität – zahlt dafür aber in der Regel mehr als bei einer konsequenten Entweder-oder-Lösung.











