Wer mit mehreren Farben oder Materialien druckt, kennt den ärgerlichen Nebeneffekt: Bei jedem Wechsel muss der 3D-Drucker Filament zurückziehen, neues Material laden und die Düse spülen. Das kostet Zeit und produziert Abfall, unter Makern als „Poop“ bekannt. Der neue Bambu Lab H3C will dieses Problem mit neun komplett eigenständigen Druckwerkzeugen deutlich reduzieren.
Sechs Sekunden pro Wechsel dank vorgeheizter Werkzeuge
Statt immer wieder dieselbe Düse zu leeren, parkt der H3C das Werkzeug und nimmt das nächste auf. Jedes der neun PrintTools besitzt einen eigenen Filamentpfad und sogar eine eigene Heizung. Das Material bleibt geladen, während der Drucker die nächste Düse schon vorheizen kann. Laut Bambu Lab dauert der reine Werkzeugwechsel nur 3,4 Sekunden, nach sechs Sekunden soll der Druck mit dem neuen Material weitergehen.

Nur 38 mg Filament-Müll – unter besten Bedingungen
Auch beim H3C kommt der Wechsel nicht völlig ohne Spülmaterial aus. Bambu Lab nennt aber lediglich 38 Milligramm pro Vorgang. Die geparkte, vorgeheizte Düse verliert etwas Material und muss vor dem Weiterdrucken kurz neu gefüllt werden. Der Wert stammt aus internen Tests des Herstellers unter optimalen Bedingungen, ebenso wie die Zeit für den Wechsel. Im Alltag hängt die Menge vom Filament sowie von den Druck- und Slicer-Einstellungen ab.
Ganz neu ist das Konzept nicht. Auch der Snapmaker U1 setzt auf mehrere Druckköpfe, um Filament-Müll und Wechselzeiten zu reduzieren. Bambu Lab geht mit neun Werkzeugen aber deutlich weiter.
Neun Werkzeuge können mehr als neun Farben
Der Werkzeugwechsler ist nicht nur für verschiedene Farben gedacht. In einem Druck lassen sich auch unterschiedliche Materialien und Düsengrößen kombinieren. So könnte eine 0,2-Millimeter-Düse feine Details drucken, während eine größere Düse schnell zum Beispiel ein Gehäuse aufbaut. Für verschiedene Durchmesser sind allerdings zusätzliche Hotends nötig, die Bambu Lab separat verkauft. Per Software-Update sollen ab November nach und nach auch die Bambu-Lab-Drucker H2D, H2C und X2D verschiedene Düsengrößen in einem Bauteil beherrschen.
Ein separates Werkzeug verarbeitet auch beispielsweise 2,85 Millimeter dickes TPU mit einer Härte bis Shore 75A. Das dickere Filament soll beim Zuführen weniger leicht einknicken, was aufgrund des flexiblen Materials gerne mal passiert. Bambu Lab verspricht dadurch eine bis zu dreimal höhere Flussrate als bei einem Drucker der vorherigen Generation mit 1,75-Millimeter-Filament, also dreimal so viel TPU pro Sekunde.
Optional soll das System sogar mit Schneid-, Zeichen-, Präge- und Folientransfer-Werkzeugen arbeiten können. Die sogenannten CraftTools gehören aber ebenfalls nicht zum normalen Lieferumfang. Der H3C ist damit eher eine erweiterbare Plattform als nur ein 3D-Drucker mit besonders vielen Farben.

2.499 Euro für Drucker und neunfaches Materialsystem
Im EU-Shop kostet die H3C Combo 2.499 Euro. Für den Versand nach Deutschland kommen laut Shop 85 Euro dazu. Bislang lässt sich der Drucker nur vorbestellen, verschickt werden soll er ab etwa 10. November. Zum Paket gehören der Drucker, neun PrintTools und das AMS 3H (automatisches Materialsystem). Acht Werkzeuge sind für 1,75-Millimeter-Filament ausgelegt, eines für 2,85-Millimeter-Filament.
Das AMS 3H lagert neun Rollen geschlossen, führt das Filament automatisch zu und besitzt einen Trockner für zwei Rollen. Ältere AMS-Einheiten lassen sich über das erste PrintTool anbinden, sodass das System laut Hersteller bis zu 24 Filamentrollen verwalten kann.
Der H3C bietet einen Bauraum von 330 × 320 × 325 Millimetern – genauso viel wie der deutlich günstigere Bambu Lab A2L. Die neun Düsen aus gehärtetem Stahl erreichen bis zu 350 Grad Celsius, der aktiv beheizte Bauraum bis zu 65 Grad.
Der H3C ist insgesamt kein Drucker für Einsteiger, die gelegentlich einfarbige Modelle drucken. Interessant ist er vor allem für ambitionierte Nutzer und kleine Werkstätten, die häufig Materialien, Farben oder Düsen wechseln.









