Alle klingeln, keiner hört es: Noise-Cancelling-Kopfhörer sind für Radfahrer ein echtes Risiko. Eine neue Fahrradklingel soll das System austricksen können – und sie kommt ausgerechnet von einem Autohersteller.
Safety Gap im Noise Cancelling gefunden
Noise-Cancelling-Kopfhörer sind populärer denn je. Viele Menschen nutzen sie im Alltag, da sie Umgebungslärm effektiv ausblenden können. Aktives Noise Cancelling (ANC) nimmt Schallwellen von außen auf und spielt genau die gegenläufigen Wellen wieder, um sie zu neutralisieren.
Am besten funktioniert diese Technik bei tiefen, dauerhaften Tönen. Doch viele Systeme können heute effektiv auch höhere Frequenzen ausblenden, was für Radfahrer zum Problem wird – denn auch die Klingel wird häufig überhört.
Forscher der University of Salford haben mit dem Autohändler Škoda nun jedoch eine Schwachstelle gefunden. Die von den Forschern als „Safety Gap“ bezeichneten Frequenzen zwischen 750 und 780 Hz werden von ANC-Systemen deutlich schlechter erfasst. Ein blinder Fleck, den sich die Ingenieure zunutze machen wollen – im Rahmen der Sicherheit.

So trickst die DuoBell ANC-Systeme aus
Für eine Fahrradklingel bedeuten 750 bis 780 Hz ungewöhnlich tiefe Töne. Mit einer simplen Glocke lassen sich diese gewöhnlicherweise nur durch einen überdurchschnittlich großen Durchmesser erreichen. Mittels dünnerem Material und weiteren Feinschliffen erreichten die Ingenieure schließlich jedoch ihr Ziel: Sie können den Ton in der Safety Gap mit einer speziellen Klingel auf normalen Maßen erzeugen.
Doch damit nicht genug: Neben der Hauptklingel fügten die Ingenieure eine weitere Klingel mit einem anderen, höheren Frequenzbereich hinzu. Durch helle und unregelmäßige Schläge soll die Zweitklingel die ANC-Systeme ebenfalls austricksen. Die Signale ertönen so schnell und unerwartet, dass das System sie nicht schnell genug verarbeiten kann.
Entsprechend der doppelten Klingel nennt Škoda das System „DuoBell“. Der Hersteller bewirbt es als komplett analoge Lösung für ein digitales Problem.
22 m früher ausgewichen: Erfolge im Testlabor
Die DuoBell wurde bereits im Labor in Simulationen mit Testpersonen getestet. Bis zu 22 Meter früher konnten die Probanden die Klingel mit ANC-Kopfhörern wahrnehmen, was bis zu 5 Sekunden mehr Zeit zum Ausweichen ermöglicht. Ein gigantischer Schritt für die Sicherheit auf Fußgänger- und Radwegen.
Doch auch im echten Stresstest konnte sich die DuoBell bereits beweisen. Fahrradkuriere haben die DuoBell auf den Londoner Straßen getestet – laut Berichten von Škoda und Deliveroo mit Erfolg. Die Fahrer hätten die Klingel am liebsten behalten, heißt es.
Wann kommt die magische Klingel mit dem Sweet-Spot-Sound?
Bisher ist die DuoBell noch nicht für private Kunden erhältlich. Ob sie überhaupt auf den Markt kommt, ist ebenfalls unklar. Zwar liegen die Wurzeln von Škoda tatsächlich in der Fahrrad-Branche und 2019 wagte der Hersteller sogar einen kleinen Vorstoß im E-Bike-Segment, doch das Projekt war nicht von langer Dauer und die Tschechen verschwanden schnell wieder vom Radar der E-Bike-Welt.
Doch andere Fahrradklingeln könnten bald nach ähnlichem Prinzip funktionieren. Škoda stellt die Forschungsergebnisse zur DuoBell frei zum Download zur Verfügung. Eine Bauanleitung ist noch nicht dabei, wohl aber die Testergebnisse aus dem Labor. Es heißt also noch ein wenig zu warten oder auf andere Produkte zurückzugreifen. Ebenfalls für Sicherheit, jedoch auf ganz andere Weise, sorgt beispielsweise die Airbell, die Fahrräder vor Dieben schützen kann.














