Kein Kleber, keine Nähte, kein Abfall – und trotzdem bequem wie ein Textil? Das Startup Zellerfeld aus Hamburg druckt komplette Sneaker in einem Stück per 3D-Drucker. Nike kooperiert bereits, Drake und Justin Bieber tragen die Schuhe schon.
Von der Studentenbude zur Hightech-Fabrik in Hamburg
Zellerfeld aus Hamburg produziert Schuhe nicht auf die klassische Art und Weise, sondern druckt sie einfach in einem Stück im 3D-Drucker. Wer bei 3D-Druck an zumeist harte Kunststoffe, somit an starre und klobige Schuhe wie die weltbekannten Klompen aus den Niederlanden denkt, irrt aber komplett.
Das in einer Studentenbude im Harz entstandene Start-up setzt auf den patentierten Kunststoff „Zellerfoam“. Dieser wurde eigens entwickelt und fühlt sich laut Gründer Cornelius Schmitt fast wie ein Textil an. Möglich wird dies durch dickere und rauere Fasern, wie der Industrial-Ingenieur erklärt. Auch die passenden 3D-Drucker entwickelt das Unternehmen selbst, mittlerweile in der dritten Generation.
Bereits jetzt arbeiten über 200 firmeneigene 3D-Drucker in Hamburg für Zellerfeld, hunderte weitere in den USA. Dazu kommt eine dreistellige Anzahl Mitarbeiter. Die Nachfrage ist allerdings so hoch, dass das Unternehmen innerhalb Hamburgs umziehen will, um Platz zu schaffen für bis zu 2.000 3D-Drucker bis Ende 2026. Sie sollen eine Million Schuhe in diesem Jahr produzieren.
Sofort ausverkauft: Kooperation mit Nike
Der Erfolg von Zellerfeld kommt nicht von ungefähr. Das Unternehmen bietet auf seiner eigenen Webseite Schuhe von zahlreichen Designern an, die dann nach der Bestellung in 12 bis 24 Stunden pro Paar gedruckt werden. Unter anderem kooperiert man mit Weltkonzern Nike, die bereits mit motorisierten Laufschuhen für Aufsehen gesorgt hatten. Der Nike Air Max 1000 war binnen kürzester Zeit ausverkauft.
Auch zahlreiche Stars sind bereits auf die individuellen Schuhe aus dem 3D-Drucker aufmerksam geworden. So wurden sie schon an den Füßen von Justin Bieber und Shaquille O’Neal gesehen. Auch Drake und Will.i.am sind heiß auf die „Treter aus dem 3D-Drucker“.
Was kosten Sneaker aus dem 3D-Drucker?
Beim 3D-Druck mit dem recycelbaren und waschbaren Zellerfoam entsteht kaum Müll, wie es bei herkömmlicher Schuhproduktion der Fall ist. Auch auf Nähte und Kleber als potentielle Schwachstellen wird komplett verzichtet. Dazu lassen sich Größe, Form und Design individuell anpassen, basierend auf einem 3D-Scan der eigenen Füße via App.
Im Online-Shop von Zellerfeld starten die Preise bei umgerechnet rund 80 Euro, Kollaborationen mit bekannten Designern kosten bis zu 320 Euro. Der ausverkaufte Nike Air Max 1000 lag bei etwa 165 Euro. Wer nicht so lange warten will, kann sich übrigens auch selbst an 3D-gedruckten Schuhen versuchen: Auf der Plattform MakerWorld stellt das Label FORMISM by SCRY kostenlose Schuh-Designs für flexible TPU-Filamente zum Download bereit – ein Bambu Lab A1 genügt.
Zellerfeld zeigt eindrucksvoll, was der 3D-Druck in der Konsumgüterindustrie leisten kann. Eine ähnliche Entwicklung erleben wir bereits in der Fahrradbranche, wo zum Beispiel Urwahn ganze Rahmen 3D-druckt und erst kürzlich ein kompletter Elektromotor für nur 50 Cent aus dem 3D-Drucker kam.















