Eine Wärmepumpe, aber kein Außengerät im Garten oder an der Fassade: Mideas H-Pack stellt die komplette Technik in den Keller oder Technikraum. Nach draußen führen lediglich zwei Luftkanäle durch Wand oder Dach. Für Reihenhäuser, enge Grundstücke oder Gebäude, an denen eine klassische Wärmepumpe an Platz, Optik oder den Nachbarn scheitert, kann das eine ungewöhnlich einfache Alternative sein – und die ist nicht nur ein Konzept, sondern bereits auf dem Markt.
Ganz ohne Haken funktioniert aber auch die Midea H-Pack nicht: Die beiden Öffnungen brauchen jeweils einen Durchmesser von 250 Millimeter und mit maximal 5 kW Heizleistung passt die H-Pack längst nicht in jedes Haus. Wir haben bei Midea nachgefragt, wie groß das Gebäude sein darf, wie laut die Anlage ist und ob auch ein alter Schornstein als Luftweg taugt.
So funktioniert die Wärmepumpe ohne Außengerät
Die gesamte Technik sitzt in einem Gehäuse im Haus. Einer der beiden Luftkanäle saugt Außenluft an, der andere bläst die abgekühlte Luft wieder aus. Die Anlage heizt, kühlt und bereitet Warmwasser. Als Kältemittel arbeitet sie mit rund 570 Gramm Propan, auch bekannt als R290.
Laut Midea ist die Montage einfacher als bei einer klassischen Luft-Wasser-Wärmepumpe: Die Aufstellung im Garten entfällt, ebenso die Leitungen zwischen Innen- und Außengerät. Für die Luftversorgung sind Leitungswege von etwa sechs Metern möglich. Wie lang sie im Einzelfall sein dürfen, hängt jedoch von Bögen, Schalldämpfern und Außenhauben ab.
Der Haken: 5 Kilowatt reichen nicht für jedes Haus
Die H-Pack gibt es bisher nur in einer Größe. Midea nennt maximal 5 kW Leistung bei 7 Grad Außentemperatur und 4,5 kW bei minus 10 Grad, die Nennleistung liegt bei 3,5 kW. Weitere Leistungsgrößen sind laut Hersteller nicht geplant. Das System kommt hierbei vermutlich derzeit an Grenzen. Möglich ist aber, wie bei jeder anderen Wärmepumpe auch, ein elektrischer Zusatzheizer mit 3 Kilowatt. Technische Daten sind teilweise noch als vorläufig kommuniziert, die Anlage ist auf unsere Anfrage hin aber bereits „vollumfänglich lieferbar“. Die H-Pack soll einen COP von 4,6 erreichen. (A7/W35).
Auf die Frage, wie groß das Haus sein darf, nennt Midea einen Neubau nach aktuellem Gebäudeenergiegesetz mit etwa 150 Quadratmetern bei 35 Grad Vorlauftemperatur. Eine Heizlastberechnung ist dennoch obligatorisch, denn gerade im Bestand entscheiden Dämmung, Fenster, Heizkörper und die nötige Vorlauftemperatur. Der Distributor Avancetec sieht die Nachfrage vor allem in effizienten Neubauten und beim Ersatz von Gasetagenheizungen.
Das schließt einen Großteil der Bestandsgebäude allerdings nicht aus: Für ältere Häuser setzt Midea auf den Hybridbetrieb. Mit der Hydrobox-H arbeitet die H-Pack neben einem vorhandenen Gas- oder Ölkessel. Die Regelung verteilt die Wärmeerzeugung nach Kosten, CO2-Ausstoß oder in Abhängigkeit der Außentemperatur.
Mit Abmessungen von 758 x 614 x 463 mm (H x B x T) ist die Anlage tatsächlich ungefähr so groß wie eine moderne Gastherme, fällt allerdings etwas breiter und tiefer aus.
Wie laut ist die H-Pack im Haus und draußen?
Weil die Wärmepumpe innen steht, verlagert sich ein Teil der Geräuschfrage ins Haus. Im Aufstellraum ist die Anlage laut Midea mit einem Schalldruck von 34 dB (A) etwa so laut wie eine Gas-Brennwerttherme oder eine Lüftungsanlage. Der Hersteller rät aber zu einem Technikraum, der nicht direkt an Schlaf- oder Wohnräume grenzt. Schalldämpfer in den Kanälen können zusätzlich helfen.
Ganz still ist es auch draußen nicht. Am Luftaustritt nennt Midea auf dem Produkt-PDF bis zu 47 dB(A) Schalldruck in einem Meter Entfernung und 55 dB (A) Schallleistung. Im Flüstermodus soll die Anlage auf 37 dB(A) in einem Meter Abstand kommen. Bei einer Luftführung über das Dach sind es maximal 49 dB(A).
Kann ein alter Schornstein die Kernbohrung ersetzen?
Grundsätzlich kann die Luftführung auch über einen alten Schornstein erfolgen. Midea hat uns dazu geantwortet: „Ein stillgelegter Schornstein oder eine vorhandene Öffnung kann eine neue Kernbohrung ersetzen. Das muss aber im Einzelfall geprüft werden: Querschnitt, Zustand und Brandschutz müssen passen, außerdem müssen Zu- und Abluft getrennt bleiben. Von kleineren Querschnitten als vorgesehen wird abgeraten.“
Auch zum Thema Propan im Innenraum hat uns der Hersteller geantwortet: „Es braucht hier keinen zusätzlichen Schutzraum, das Gerät hat ein eigenes Sicherheitskonzept. Auch ein fensterloser Keller ist grundsätzlich möglich, solange die Vorgaben für Montage und Luftführung eingehalten werden.“
Kosten und Verfügbarkeit der Midea H-Pack
Für die Wärmepumpe selbst werden im Handel aktuell rund 6.000 Euro aufgerufen. Allerdings ohne Hydrobox, Luftkanäle und Montage. KlimaWorld listet die H-Pack für 6.299 Euro und nennt derzeit 8 bis 12 Wochen Lieferzeit. SolarCamp24 zeigt einen Preis von 5.990 Euro mit sofortiger Verfügbarkeit.
Wer das Konzept interessant findet, braucht neben einer passenden Heizlast auch einen Fachbetrieb, der die Anlage installiert. Die Gesamtkosten hängen dann vor allem von den Luftkanälen, den Wanddurchführungen und der Anpassung an die vorhandene Heizung ab.


